Etikette im Karate
Die Dojukun - die Etikette vor und nach dem Training im Übungsraum.
Meditative Übung oder lästige Pflicht?
Sei höflich und bescheiden.
Vervollkommne Deinen Charakter.
Sei geduldig und beherrscht.
Sei gerecht und hilfsbereit.
Sei mutig.
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Die auf den obigen Werten beruhende Selbstfindung, im Kniesitz ausgeführt, dient in gut geführten Karate - Dojos als Einleitung in eine kurze Meditationsphase. Danach folgen die drei gesprochenen Worte shomen ni rei mit der Hinwendung durch eine Verbeugung nach vorne in gerader Richtung, getreu dem philosophischen Prinzip des Karate - Do, dem Höheren und Bedeutenderen als man selbst ist die gebührende Ehrerbietung darzubringen.
Der sensei ( Meister ) wendet sich anschließend den Schülern zu, sie grüßen ihn mit sensei ni rei.
Dieser Gruß gilt dem sensei direkt als Träger und Vermittler der Tradition des Karate - Do.
Dieses Ritual ist fester Bestandteil am Beginn und Ende der Trainingstechniken. Die Einstimmung durch die Dojokun ermöglicht ein Loslassen der Alltagsbelastungen und die Konzentration auf das beginnende Training bzw. danach auf die Rückkehr zum Alltag.
Die oben zitierten Leitsätze schaffen die Verbindung zwischen der Philosophie des Weges ( Do ) und der formalen Technik. Sie stellen eine Anleitung zur Übung der richtigen inneren Haltung dar, die nicht im Intellekt verhaften bleiben, sondern insbesondere im Alltag durchlebt werden soll. In der Selbstübung verwendet, werden Leitlinien zum Maßstab für den Fortschritt auf dem Weg ( Do ).
Es gibt - um bei der Wahrheit zu bleiben -, allerdings auch Karateka, die solche Rituale ablehnen oder sie für Europäer unangemessen oder gar lächerlich finden. Dahinter steckt die Vorstellung, dass vor allem der Körper und die Technik trainiert werden, sklavisch angepasst an eine Zeit, in der allein Leistung und deren seelenlose Steigerung als besonderer gesellschaftlicher Wert betrachtet werden.
Einher geht damit oftmals das unbändige Streben nach Sieg , nach Anerkennung und nach nackter Macht unter brutalem Einsatz der Ellenbogen. Rücksichtnahme auf den Partner und Zwischenmenschlichkeit bleiben konsequenterweise dann auf der Strecke.
Seit einiger Zeit setzt sich allerdings auch in der westlichen Welt die Erkenntnis durch, daß Körper und Geist keine nebeneinander oder gar unabhängig voneinander zu betrachtenden Gesichtspunkte, sondern untrennbare Bestandteile des Menschen sind, die sich gegenseitig wesentlich beeinflussen.
Die Bedeutung der Leitsätze

Sei höflich und bescheiden
Aktion provoziert Reaktion, im positiven wie im negativen Sinn. Wer selbstsicher, freundlich und bescheiden auftritt, wird in der Regel positive Resonanz erfahren und gute zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen können.
Vervollkommne Deinen Charakter
Zu sich selbst ist ein ausgewogenes Verhältnis anzustreben. Hier ist nicht das Körperliche gemeint, sondern in allen möglichen und unmöglichen Lagen sollst Du Dich selbstkritisch betrachten, welche inneren Probleme es sind, die Deiner Entwicklung im Wege stehen.
Du bist aufgerufen, Deinen inneren Unebenheiten mit derselben Kraft zu begegnen, die Du im körperlichen Training erlernt hast, äußere Schwierigkeiten zu überwinden.
Sei geduldig und beherrscht
Geduld mit sich selbst und mit Anderen ist dann zu üben, wenn der eigene Weg sich länger und beschwerlicher herausstellt als vorher angenommen oder wenn die Mitmenschen die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Unbeherrschtheit erzeugt bei einem selbst und dem Gegenüber negative Gefühle und Stress. Die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit werden eingeschränkt.
Sei gerecht und hilfsbereit
Wohlwissend, dass Gerechtigkeit nur selten vollkommen erreicht werden kann, ist hier stets der Weg das Ziel, den Du nie verlassen sollst. Hilfsbereitschaft im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe einerseits sowie mentale und seelische Unterstützungsbereitschaft für Andere andererseits sind zu pflegende Zielsetzungen.
Sei mutig
Was wäre das Leben ohne Mut? Alle zuvor genannten Eigenschaften taugen nichts, wenn der Mut dazu nicht vorhanden ist, sich zu ihnen zu bekennen und sie zu leben. Zwingend notwendig ist der Mut zur lebensbejahenden Einstellung und zur Gerechtigkeit, sich aus einem negativen Umfeld mit positiven Gedanken und positivem Handeln abzuheben und sich öffentlich dazu zu bekennen. Ebenso wichtig ist der Mut, den eigenen Freiraum zu verteidigen und sich nicht fremdbestimmen zu lassen. Mut beweist Du auch, wenn Du Dich selbst als den wichtigsten Menschen bezeichnest und Dir einen Freiraum für die Vervollkommnung Deines eigenen Ichs schaffst.










